19.12.2023
Stuttgarter Gardinen
Das Archivgut der Stuttgarter Gardinenfabrik ist verzeichnet und für Interessierte zugänglich. Die Firma ging 1934 aus der Insolvenzmasse der Firma Tiefenthal und Halle hervor, die mehrheitlich im Besitz Schweizer Investoren war und deren zunächst verbliebener „nichtarischer“ Geschäftsführer Tiefenthal 1937 ausschied. Die Leitung der neuen Firma übernahm Hans Goltermann.* 1938 richtete er ein eigenes Entwurfsatelier ein. Unter der Leitung von Margret Hildebrand, spätere Professorin an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, schuf das Entwurfsatelier einen eigenen unverwechselbaren Kollektionsstil. 1944 wurden die Geschäftsräume in Stuttgart vollständig zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute die Stuttgarter Gardinenfabrik ihren Betrieb in Herrenberg wieder auf. Ab 1963 übernahm Antoinette de Boer, eine Meisterschülerin von Margret Hildebrand, die Leitung des Entwurfsateliers. Produkte wie Vorhangstoffe, Gardinen und Möbelbezugstoffe wurden erfolgreich verkauft und für ihr gutes Design prämiert. 1999 musste das Unternehmen Konkurs anmelden.
Der Bestand umfasst rund einen Meter Archivgut aus den Jahren 1938 bis 1998. Hervorzuheben ist eine umfangreiche Fotosammlung zu den Produkten der Firma.
* Nachtrag 06.08.2026: Angepasste Fassung des ursprünglichen Textes „Hans Goltermann gründete 1934 in Stuttgart eine Gardinenfabrik.“
Abbildungen: links: Vorhang Druckstoff Tilsit, Entwurf: Margret Hildebrand, ca. 1941 (B 332, F 62); rechts: „Rombus“ 6049 und „Diagonal“ 6050 gewebte Möbelbezugstoffe, Entwurf: Helmut Scheufele Stuttgarter Gardinen, 1988 (B 332, F 50)